Vetternwirtschaft? Jazenjuk-Freund gewinnt Ausschreibung für Verkaufsfläche am Kiewer Flughafen

Vetternwirtschaft? Jazenjuk-Freund gewinnt Ausschreibung für Verkaufsfläche am Kiewer Flughafen

Die Fernsehsendung „Schemen – Korruption im Detail“ (ukr. „Схеми – корупція в деталях“), ein gemeinsames Projekt des 1. staatlichen Fernsehkanals und des US-Senders Radio Liberty, befasste sich in ihrer jüngsten Ausgabe mit dem Umfeld des ukrainischen Premierministers Arsenij Jazenjuk. Die TV-Journalisten beleuchteten darin auch eine Ausschreibung großer Verkaufsflächen am Kiewer Flughafen, die von einem Oligarchen aus dem Umfeld des Regierungschefs gewonnen wurde.

Arsenij Jazenjuk

Premierminister Arsenij Jazenjuk
(Quelle: Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres)

Der 69-jährige Leonid Juruschew landete 2014 in einem Ranking der ukrainischen Zeitschrift „Fokus“ auf Platz 7 der reichsten Ukrainer mit einem geschätzten Vermögen von 900 Millionen Dollar. Der gebürtige Donezker gilt seit langem als Freund Jazenjuks. 2004, als der heutige Premier Chef der ukrainischen Zentralbank war, gelang es Juruschew etwa, das Startkapital für seine „Forum-Bank“ zusammenzubekommen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2009 eröffnete der damalige Präsidentschaftskandidat Jazenjuk dann bei eben jener Bank ein Konto für seine Wahlkampfkasse, die zu großen Teilen wiederum von seinem Unterstützer Juruschew gefüllt worden sein soll.

Bei der Ausschreibung von Mietverträgen für Verkaufsflächen am Kiewer Flughafen Boryspil kam Juruschew 2014 zum Zuge – aufgrund seiner Beziehungen zu Jazenjuk, wie die Journalisten in ihrem Beitrag nahelegen. Denn die Ausschreibung sei auffallend so gestaltet worden, dass keiner der ausländischen Mitbewerber, darunter etwa das namhafte Baseler Unternehmen Dufry, eine Chance hatte. So wurden etwa Erfahrungen auf dem ukrainischen Markt vorausgesetzt. Unter den heimischen Bewerbern, die die Ausschreibung so gewannen, bekam Juruschews „BF and GB Travel Retail Ltd.“ den Löwenanteil von 2.050 qm Fläche für Duty-Free-Shops zugesprochen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Vorwürfe von Vetternwirtschaft gegen den Premier für Schlagzeilen sorgen. Der Odessiter Gouverneur (und ehemalige georgische Präsident) Micheil Saakaschwili sorgte schon Anfang September für Aufsehen, als er in einem Fernsehinterview behauptete, Jazenjuk handele vorwiegend im Interesse der Oligarchen.

Quellen: Radio Liberty, Fokus

 

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