Trotz Propaganda: Vertrauen der Russen ins Fernsehen gestiegen

Trotz Propaganda: Vertrauen der Russen ins Fernsehen gestiegen

Das russische Forschungsinstitut Lewada-Zentr hat mittels einer Umfrage herausgefunden, dass das Vertrauen der russischen Bevölkerung in die wichtigsten landesweiten Fernsehsender in den vergangenen drei Jahren um 12% Prozent gestiegen ist. Demnach sagten 59%, sie vertrauten den Informationen über Ereignisse im Land, die von diesen Stationen gesendet werden. 2012 waren es 47%. Teilweise vertrauen dem Fernsehen 33% (gegenüber 43% 2012), überhaupt nicht 4% (gegenüber 8% 2012).

Weniger Vertrauen bringen die Russen dem Internet entgegen. 37% haben hier volles Vertrauen (2012: 29%), 32% teilweises Vertrauen (2012: 30%) und 8% gar kein Vertrauen (2012: 6%).

Immerhin 42% der Befragten bekannten, sie hätten beim Sehen von Fernsehsendungen, Hören von Rundfunksendern oder Lesen von Zeitungen den Verdacht, dass die Medien etwas wichtiges verschweigen, nicht die ganze Information bringen oder die Medienkonsumenten von gewissen wichtigen Themen ablenken wollen. 2012 sagten dies noch 55%.

Frei erfundene Meldungen sorgen für Schlagzeilen

31% der Studienteilnehmer sagten, sie hätten oft das Gefühl, von den Medien wissentlich Falschinformationen zu erhalten. Und das offensichtlich nicht ohne Grund. Am 2. Oktober machte ein besonders dreister Fall von manipulativer Berichterstattung auch in Deutschland Schlagzeilen. So hatte der russische TV-Kanal TV Zentr behauptet, Ukraines Präsident Poroschenko habe völlig betrunken versucht, ein Linienflugzeug von Kiew nach Moskau zu besteigen und habe vom Sicherheitspersonal daran gehindert werden müssen. Der Sender zitierte dabei einen Bericht der WDR-Journalistin Christina Nagel. Diesen hatte es jedoch nie gegeben.

TestbildEin ähnlicher Fall ereignete sich erst am Donnerstag: Der Fernsehsender Swesda des russischen Verteidigungsministeriums behauptete in einer Meldung auf seiner Internetseite, der ukrainische Premierminister Arsenij Jazenjuk habe sich in einem Interview mit der französischen Journalistin Elena Servettaz über „ständige sexuelle Belästigungen“ von Seiten seiner Amtsvorgängerin Julia Tymoschenko beklagt. Auch dieser Fall stellte sich als ein dreister Versuch heraus, ausländische Journalisten für verleumderische Behauptungen über die ukrainische Führungselite zu missbrauchen. Denn auch dieses Interview hat nie stattgefunden, wie die zitierte Journalistin von Radio France Internationale bestätigte.

Bekanntermaßen stehen die landesweiten, frei empfangbaren Fernsehkanäle ausnahmslos unter Kontrolle des Kreml. Wie konsequent Programme, die nicht auf Linie sind, verdrängt werden, zeigte zuletzt der Fall des liberalen Fernsehsenders Doschd, der Anfang 2014 durch den Entzug praktisch sämtlicher Sendefrequenzen in eine existenzielle Krise gestürzt wurde.

Quellen: NEWSru.com, Radio Liberty, Deutschlandfunk

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