Putin schafft neue Jugendorganisation

Putin schafft neue Jugendorganisation

Russlands Präsident Putin unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, mit dem er die Schaffung einer neuen Jugendorganisation anordnete. Die „Russische Schülerbewegung“ (russ.: „Rossijskoje dwischenije schkolnikow“) soll der Anordnung zufolge dazu dienen, „die Herausbildung einer Persönlichkeit auf Grundlage des der russischen Gesellschaft eigenen Wertesystems zu fördern.“

Wie die Zeitung Komsomolskaja prawda schreibt, solle die neue Organisation die Kinder unter anderem „Patriotismus, Respekt vor Älteren, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft, Streben nach Gerechtigkeit“ lehren.

Ob es den Kremlherrn stört, dass in der russischen Presse sofort über eine Wiederbelebung der sowjetischen Pionierorganisation spekuliert wurde, ist nicht bekannt. Grund sich darüber zu beschweren hat er jedenfalls nicht, hat er doch selbst solchen Überlegungen Vorschub geleistet: Den besagten Ukas unterzeichnete Wladimir Putin just am 29. Oktober, dem Tag, an dem 1918 die kommunistische Jugendorganisation Komsomol gegründet wurde.

Sowjetische Pioniere 1983

Sowjetische Pioniere 1983

Die Komsomolskaja prawda, für ihre Putintreue mit Orden behängt, unternahm einen ziemlich lahmen Versuch, das Ziehen solcher Parallelen als unbegründet darzustellen. Schließlich werde die neue Organisation weder die Weltrevolution, noch eine Zukunft im Kommunismus oder die Diktatur des Proletariats propagieren. Angesichts von Russlands real existierendem Turbokapitalismus hätte das denn auch sehr verwundert.

Die Idee liegt nahe, dass die Parallele natürlich nicht in den vermittelten Werten, sondern im Ziel der Erziehung einer regimetreuen Jugend liegen könnte.

Die Vermutung, dass die russische Regierung solche Ziele verfolgt, legt auch ein Vorstoß aus dem Erziehungsministerium nahe. Lehrern soll demnach unter anderem verboten werden, ihren Schülern „der russischen Gesellschaft fremde Wertenormen aufzudrängen“, im Gegenteil sollten sie bei ihren Schülern das Bewusstsein für die „Notwendigkeit der Ablehnung terroristischer und extremistischer Ideen“ befördern.

Das Etikett des „Extremismus“ aber gilt dem Kreml bekanntlich als Allzweckwaffe im Kampf gegen seine Gegner. Schon die Vorstellung von einem Russland ohne Putin kann bei Bedarf als „extremistische Idee“ durchgehen.

Quellen: NEWSru.com, Komsomolskaja prawda

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