Ukraine: Chef der Partei UKROP festgenommen

Ukraine: Chef der Partei UKROP festgenommen

In Dnipropetrowsk wurde am Samstagmorgen der Vorsitzende der Partei UKROP, Hennadij Korban, festgenommen. Zudem wurden in einer groß angelegten Aktion mit 500 Beamten Büros der Partei in mehreren Städten sowie Wohnräume Korbans und seiner Mitarbeiter durchsucht. Dem 45-Jährigen werden schwere Vergehen zur Last gelegt. Vertreter der Staatsanwaltschaft sprechen von einem Vorgehen gegen eine „Gruppierung der organisierten Kriminalität“.

In seiner Zeit als stellvertretender Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk soll Korban in den Jahren 2014 bis 2015 für mehrere Entführungen verantwortlich gewesen sein. Gouverneur war damals der Oligarch Ihor Kolomojskyj, der als Strippenzieher hinter Korban und seiner UKROP-Partei gilt.

Festgenommen: Politiker Hennadij Korban

Festgenommen: Politiker Hennadij Korban
(Quelle: Wikimedia Commons / Promedia 1622)

Verschiedentlich wurde darüber berichtet, Kolomojskyj habe mit seiner Mannschaft damals dafür gesorgt, dass die Separatisten im überwiegend russischsprachigen Dnipropetrowsk nicht Fuß fassen konnten. Mit ihren Methoden hätten Kolomojskyjs Leute dabei jedoch oft die Grenzen der Legalität überschritten, so heißt es. Angesichts des Erfolgs, den sie zweifellos hatten, waren sie vor Strafverfolgung bislang geschützt. Dass diese Zeit nun vorbei sein könnte, kündigte bereits der Konflikt zwischen Präsident Poroschenko und Kolomojskyj im Frühjahr diesen Jahres an, der zur Absetzung des Gouverneurs führte.

Korban wird außerdem beschuldigt, er habe insgesamt 40 Millionen Hrywnja (ca. 1,6 Millionen Euro) aus seinem angeblich gemeinnützigen „Fonds für die Landesverteigung“, die eigentlich der ukrainischen Armee zugute kommen sollten, für seine eigenen Zwecke abgezweigt. Neben Luxusgütern wie z. B. Autos soll damit der Aufbau einer Art Privatarmee finanziert worden sein.

Bei Wahlen sorgte Korbans Partei UKROP ebenfalls für negative Schlagzeilen. Im Juli 2015 wurde die erst seit September 2014 bestehende politische Vereinigung des Stimmenkaufs beschuldigt. Vor der Parlaments-Nachwahl in Tschernihiw hatte UKROP etwa Zelte in der Stadt aufgestellt, in denen gratis Mahlzeiten und Lebensmittelpakete ausgegeben wurden.

Trotz solcher Geschichten, die Korban im Zwielicht erscheinen lassen, kritisierten nicht nur seine Parteifreunde, sondern auch andere politische Gegner Präsident Poroschenkos die Festnahme des Geschäftsmanns als politisch motiviert.

Borys Filatow, UKROP-Kandidat für das Amt des Dnipropetrowsker Bürgermeisters, der am 15. November zur Stichwahl antritt, rief die Anhänger seiner Partei zu Protesten auf.

Quellen: Ukrajinska prawda, KyivPost

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