Minsk: Auftritt von russischem Nationalisten nach Protesten abgesagt

Minsk: Auftritt von russischem Nationalisten nach Protesten abgesagt

In Minsk sollte am Sonntag und am Dienstag der russische Nationalist Nikolai Starikow öffentlich auftreten. So hatte es am Montag das „Informationsportal Junge Rus“ (russ. „Информационный портал Молодая Русь“), ein Sprachrohr der Befürworter der russisch-weißrussischen Union, verkündet. Wie Radio Liberty jetzt mitteilte, wurde jetzt der Auftritt am Sonntag in einer Buchhandlung „aus technischen Gründen“ abgesagt. Unmittelbar nach der Ankündigung hatten sich zahlreiche Kunden beschwert und eine Absage der Veranstaltung gefordert.

Nikolai Starikov

Nikolai Starikow 2010
(Quelle: Wikimedia Commons / putnik)

Der 45-jährige Blogger und Publizist Nikolai Starikow gilt als Vertreter der Ideologie der „Russischen Welt“ (russ. „Русский мир“) und tritt für eine Vereinigung der Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein. Er bedauert den Niedergang des Zarenreichs und hat als Verschwörungstheoretiker eine einfache Erklärung dafür parat: „Die Vernichtung des Russischen Reichs ist die erfolgreichste Operation des britischen Geheimdienstes in seiner gesamten Geschichte“. Konsequenterweise ist er ein Bewunderer Josef Stalins, der den geopolitischen Einflussbereich Moskaus bis an die Elbe ausdehnte. Den Tod des Diktators sieht er übrigens als Giftmord durch westliche Geheimdienste.

2013 reiste Starikow nach Kiew, um dort sein umstrittenes Buch „Stalin – erinnern wir uns gemeinsam!“ (russ. „Сталин. Вспоминаем вместе“) vorzustellen. Die Veranstaltung wurde damals von ukrainischen Nationalisten der Partei „Swoboda“ gesprengt. Unter „Schande“-Rufen musste Starikow den Saal verlassen. Zu Beginn der Krim-Krise erklärte er gegenüber der russischen Zeitschrift „Patrioty Nischnego“, er sehne die Vereinigung Russlands und der Ukraine im Rahmen der Eurasischen Union und der Zollunion herbei und stellte klar: „Das ist ein überaus wichtiges Ereignis, auf das alle echten Patrioten Russlands und der Ukraine warten.“

In Deutschland trat der gebürtige Petersburger am 17. und 18. Oktober 2015 bei einem Kongress der Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik e.V. in Bad Sooden-Allendorf auf. Eines seiner Bücher wurde auch auf deutsch veröffentlicht: „Die Tragödie der Ukraine – Ein geopolitisches Tagebuch.“

Angesichts der Ereignisse in der Ukraine ist in letzter Zeit auch in Weißrussland ein Unbehagen gegenüber möglichen Expansionsbestrebungen des großen östlichen Nachbarn deutlich zu spüren. Die Ankündigung einer neuen Militärdoktrin durch Präsident Alexander Lukaschenko etwa wird von Experten auf solche Befürchtungen zurückgeführt. Die weißrussische Zeitung Nascha Niwa berichtete kürzlich über Wehrsportgruppen in ihrem Land, die offen eine großrussische Ideologie vertreten.

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