US-Experte: Putin erreicht seine Ziele in Syrien

US-Experte: Putin erreicht seine Ziele in Syrien

Josh Cohen, ehemaliger Projektkoordinator der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID, widerspricht in einem Beitrag für die Moscow Times westlichen Kommentatoren, die die russische Intervention in Syrien immer wieder als Fehlschlag beschreiben. Häufig war in letzter Zeit zu lesen, der Einsatz zeige wenig Erfolg und könne sich für Moskau zu einem „zweiten Afghanistan“ entwickeln, also einem sich endlos hinziehenden Krieg mit vielen Opfern, in dem aber letztlich die ursprünglichen Ziele nicht erreicht werden.

Putin auf dem Waldai-Forum

Erfolgreiche Intervention in Syrien: Russlands Präsident Putin
(Quelle: www.kremlin.ru)

Putins Ziel – so Cohen – sei es aber gar nicht, Präsident Assads Kontrolle über ein „stabiles und vereinigtes“ Syrien wiederherzustellen, wie etwa der britische Journalist Edward Lucas im Telegraph behauptete. Vielmehr gehe es darum, einen – in seinem verbliebenen Einflussbereich – funktionierenden syrischen Staat zu erhalten, der Russlands Interessen in Syrien vertritt.

Eben aus diesem Grund hätten sich die Angriffe der russischen Luftwaffe nicht auf den „Islamischen Staat“, sondern auf die sogenannten „Rebellen“ konzentriert, die im Begriff waren, weiter in von Assad kontrolliertes Gebiet vorzudringen. Dieser Vormarsch habe gestoppt werden können und Putin habe somit sein erstes Ziel erreicht.

Gleiches gelte für sein zweites Ziel: Russland als Einflussmacht im Nahen Osten aufs internationale Parkett zurückzubringen. Der Zugang der Schwarzmeerflotte zum Mittelmeer-Stützpunkt in Tartus sei gesichert und weitere russische Militärbasen seien in Syrien entstanden. Das militärische Bündnis mit den schiitischen Mächten in der Region – Iran, Irak, Hisbollah und dem Assad-Regime – sei gestärkt:

Erstmals seit der ägyptische Präsident Anwar As-Sadat die sowjetischen Truppen 1973 aus Ägypten rauswarf, hat sich Russland im Mittleren Osten fest eingerichtet. Putins Botschaft an die USA ist klar: Wir sind wieder eine Macht im Nahen Osten, mit der gerechnet werden muss, und wir gehen nicht mehr weg.

Und auch sein drittes Ziel habe Putin erreicht, so Cohen. So sei der Ukraine-Konflikt in der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft in den Hintergrund getreten. Putin habe den Westen gezwungen, wieder mit ihm zu sprechen, auch auf militärischer Ebene. So seien Kontakte zwischen US- und russischem Militär zwingend notwendig geworden, allein um eine Kollision ihrer Einsätze in Syrien zu verhindern.

Latakia Jet

Russischer Jet hebt ab in Latakia, Syrien
(Quelle: Mil.ru)

Längerfristig könne die Syrien-Intervention auch zu einem Erfolg für die russische Wirtschaft werden. Nämlich dann, wenn der Westen sich auf einen Deal einlässt und die Sanktionen im Tausch für eine Zusammenarbeit bei der Lösung des Syrien-Konflikts aufhebt. Das schwache Glied in der Sanktions-Front des Westens sieht Cohen dabei – wie auch andere Kommentatoren – in den Europäern, die zuletzt durch die Flüchtlingskrise unter Druck geraten sind.

Ein Risiko für Putin sei jedoch ein mögliches Umschlagen der Stimmung in Russland. Die Unterstützung der Bevölkerung für den Einsatz, die bislang groß war, könnte angesichts des mutmaßlichen Bombenanschlags auf das über der Sinai-Halbinsel abgestürzte russische Passagierflugzeug bröckeln. Mit den Anschlägen von Paris, die nach Erscheinen von Cohens Artikel verübt wurden, mag diese Gefahr jedoch geringer geworden sein. Schließlich zeigen diese den Russen, dass nicht allein ihr für seine Intervention vielgescholtenes Land Ziel der IS-Terroristen ist.

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