Flüchtlingskrise belastet russisch-norwegische Beziehungen

Flüchtlingskrise belastet russisch-norwegische Beziehungen

Wie auch in deutschen Medien zu lesen ist, wählen immer mehr Flüchtlinge die sogenannte „Eisroute“ für ihren Weg nach Europa. Diese führt über den ansonsten recht verschlafenen, einzigen russisch-norwegischen Grenzübergang Storskog/Borissoglebski. Norwegische Behörden rechnen für dieses Jahr mit 10.800 Migranten, die auf diesem Weg in den NATO-Staat einreisen.

Oslo: Russland fördert Ansturm auf norwegische Grenze

Grenzübergang

Am Grenzübergang Storskog/Borissoglebski

Wie Foreign Policy berichtet, belastet dieser rasante Anstieg der Einreisen von Russland nach Norwegen die Beziehungen beider Länder. Denn in Oslo kann man sich schwer vorstellen, dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht. Moskau wird beschuldigt, den Ansturm auf die Grenze bewusst zu fördern, womöglich um Rache für die Sanktionspolitik Norwegens in der Ukraine-Krise zu nehmen.

Außenminister Børge Brende sagte gegenüber Medien, er habe seinen russischen Amtskollegen Sergei Lawrow gefragt, „warum Hunderte Asylsuchende von Russland nach Norwegen kommen, während niemand von Russland nach Finnland einreist.“ Lawrow habe zugesagt, dem nachzugehen. In der Tat ist die Frage berechtigt, warum sich kaum ein Flüchtling zur gut erreichbaren, fast siebenmal so langen Grenze zum Nicht-NATO-Mitglied Finnland aufmacht.

Beweise für die Behauptung, der Ansturm werde von Russland bewusst gefördert, hat man in Oslo nicht. Die dortige russische Botschaft wies die Vorwürfe in einer Erklärung zurück und nannte die attraktive Einwanderungs- und Sozialpolitik als möglichen Grund, warum sich viele Flüchtlinge für das reiche Land im äußersten Norden Europas entscheiden.

Norwegische Soldaten an der russischen Grenze

Norwegische Soldaten an der russischen Grenze
(Quelle: GSV / Arsenikk)

Ein von Foreign Policy zitierter Experte des Finnish Institute for International Affairs glaubt denn auch nicht, dass Moskau die Flüchtlingsbewegung aktiv befördert. Wohl eher halte man sich bewusst zurück, lasse die Migranten durch laxe Kontrollen bewusst ziehen, um das Nachbarland „zu ärgern“.

Moskau: Westen soll sich um Flüchtlinge kümmern

Dort sorgt auch die russische Migrationsstatistik für Stirnrunzeln. Demnach gibt es ganze drei Syrer, die in Russland den vollwertigen Flüchtlingsstatus erhalten haben, 2.000 weitere Personen genießen nur vorübergehendes Asyl – ganz im Sinne der offiziellen Position Moskaus, dass sich der Westen um die Flüchtlinge kümmern solle. Der habe durch seine Politik schließlich die Migrationsbewegung ausgelöst.

Viele der nach Norwegen Einreisenden kommen jedoch nicht direkt aus den Krisengebieten in Syrien oder Afghanistan, sondern haben schon jahrelang in Russland gelebt – ohne Chance, eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Pläne, solche Migranten mit gültigem russischem Visum umgehend zurückzuschicken, hatte Moskau durchkreuzt, indem es die Wiedereinreise verweigerte. Als letzte Konsequenz denkt man in Oslo nun über eine komplette Schließung der Grenze nach, was eine Rückkehr zur Situation im Kalten Krieg bedeuten würde.

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