Zahl der IS-Rekruten aus Russland stark angestiegen

Zahl der IS-Rekruten aus Russland stark angestiegen

Dreimal so viele russische Dschihadisten im Vergleich zu 2014

Die amerikanische Soufan Group, eine auf Sicherheitsfragen spezialisierte Consulting-Agentur, hat in einem Bericht Zahlen zur Herkunft der IS-Kämpfer vorgelegt. Demnach hat sich die Zahl der im Ausland rekrutierten Dschihadisten in den vergangenen anderthalb Jahren verdoppelt. Die Agentur geht von insgesamt 27.000 bis 31.000 ausländischen (also nicht aus Syrien oder dem Irak stammenden) Freiwilligen aus. Während die Zahl der Kämpfer aus den USA in etwa gleichgeblieben sei und sich die Zahl derer aus Europa verdoppelt habe, sei bei den Zugängen aus Russland und den zentralasiatischen Republiken eine Verdreifachung festzustellen. Etwa 4.700 der IS-Rekruten stammen demnach aus der ehemaligen Sowjetunion – zum Vergleich: insgesamt 5.000 sollen aus Westeuropa in die Kriegsregion gereist sein, davon 760 aus Deutschland. Über einen russischen Pass verfügen etwa 2.400 der Kämpfer, anderthalb Jahre zuvor waren es noch 800 gewesen. Die meisten der russischen IS-Kämpfer wiederum stammen aus dem Nordkaukasus, insbesondere den Teilrepubliken Tschetschenien und Dagestan. Bis vor kurzem hatten russische Behörden Islamisten sogar noch bei der Ausreise gen Syrien geholfen – mit dem Ziel, die Sicherheitslage im Inland dadurch zu verbessern.

Zentralasiaten werden in Russland geworben

Wie in einem Artikel der Financial Times zu lesen ist, werden Kämpfer aber auch in anderen Regionen Russlands geworben. Russische Binnenmigranten aus dem Nordkaukasus treffen demnach in den wirtschaftlichen Zentren des Landes auf Migranten aus Zentralasien und radikalisieren diese. 80 bis 90% der zentralasiatischen IS-Kämpfer werden in Russland rekrutiert, ist in dem Artikel zu lesen. In der Fremde besinnen sich die Zentralasiaten – wohl ganz ähnlich den Migranten in Westeuropa – ihrer muslimischen Identität.

Brutstätte Nordkaukasus

IS-Kämpfer

IS-Kämpfer
(Quelle: flickr.com / Day Donaldson)

Die tschetschenischen und dagestanischen Behörden könnten mit ihrem harten Vorgehen gegen Aufständische die Attraktivität des IS für junge Leute in der Region noch erhöhen. So zitiert die FT-Autorin Kathrin Hille die Meinung von Pädagogen und islamischen Geistlichen aus der Region. In Tschetschenien und seit 2013 auch im benachbarten Dagestan gilt zum Teil das Prinzip der Sippenhaft für Rebellen, indem deren Familien ausgewiesen und ihre Häuser zerstört werden. Bemühungen, den Aufständischen eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen, werden vernachlässigt.

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