Nach Mobbing wegen proukrainischer Äußerungen: 18-jähriger Russe tot

Nach Mobbing wegen proukrainischer Äußerungen: 18-jähriger Russe tot

Wie Radio Liberty berichtet, hat sich Wladislaw „Wlad“ Kolesnikow in der Stadt Schiguljowsk in der Oblast Samara das Leben genommen. Kolesnikow wurde im Juni 2015 durch proukrainische Äußerungen bekannt. Der Student hatte einen Aufnäher in den ukrainischen Farben mit der Aufschrift „Die Krim zurückgeben!“ an seinem T-Shirt getragen. Ebenso hatte er ein gegen die russische Intervention in der Ukraine gerichtetes Transparent aufgehängt.

Vlad Kolesnikov

Mobbing-Opfer Wladislaw Kolesnikow
(Quelle: Facebook)

Der 18-Jährige wurde daraufhin Opfer von Anfeindungen und tätlichen Übergriffen durch Kommilitonen. Statt Maßnahmen zum Schutz ihres Studenten zu ergreifen, erklärte das Technikum in Podolsk bei Moskau, wo Kolesnikow studierte, seine Exmatrikulation.

Von seinen Verwandten konnte er keine Unterstützung erwarten. Sein Großvater, bei dem er in Podolsk lebte, warf ihn raus und schickte ihn zu seinem Vater nach Schiguljowsk. Auf die Frage nach dem Grund antwortete er laut der Nachrichtenseite About Russia, Wlad sei ein Feind, der das Land verraten habe. Solche wie ihn müsse man erschießen und es sei ihm „scheißegal“, was mit ihm passiert, schließlich werde man ihn sowieso einsperren oder umbringen.

Auch in Schiguljowsk wurde Kolesnikow Opfer massiven Mobbings. Wie er gegenüber einem Journalisten berichtete, wurden ihm Schläge angedroht, er wurde mit Erde und Schnee beworfen, war ständigen Beleidigungen ausgesetzt und wurde herumgeschubst.

Die Polizei erklärte ihn praktisch für vogelfrei. Ordnungshüter gaben ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er mit ihrer Hilfe nicht rechnen könne: „Für sowas würde ich dir auch die Fresse polieren“, soll ein Polizist ihm gegenüber geäußert haben. Entsprechend hoffnungslos klingt, was Kolesnikow im November gegenüber einem Journalisten äußerte:

Hier in Schiguljowsk können sie mit mir machen, was sie wollen. Ich suche verzweifelt nach einer Möglichkeit wegzuziehen.

Unterdessen zitiert die kremltreue Komsomolskaja prawda (KP) Wlad Kolesnikows Vater mit den Worten, der Tod seines Sohnes werde zu politischen Zwecken missbraucht. Es handele sich nicht um einen Suizid, sondern um einen Unglücksfall. Laut KP hatten Kolesnikow und ein Freund „beschlossen, sich den Abend mit einer Flasche Schnaps zu vertreiben“, zudem hätten sie „Energydrinks und gewisse psychotrope Tabletten“ zu sich genommen. Radio Liberty meldete dagegen den Selbstmord Kolesnikows, der „eine tödliche Dosis Medikamente zu sich genommen“ habe.

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