Ukraine forderte Absetzung französischer TV-Doku

Ukraine forderte Absetzung französischer TV-Doku

Im französischen Fernsehen lief gestern Abend der Dokumentarfilm „Les masques de la révolution“ („Die Masken der Revolution“) über den Umsturz in der Ukraine. Im Vorfeld forderte die ukrainische Botschaft in Paris die Absetzung des Films. In der entsprechenden Erklärung heißt es, der Film zeige den Zuschauern ein „verzerrtes und falsches Bild von der Situation in der Ukraine. Es handelt sich um ein Pamphlet in der schlechtesten Tradition der Desinformation.“ Die Ereignisse in der Ukraine würden als Ergebnis einer „von Washington finanzierten Operation“ dargestellt, was nicht nur unwahr sei, sondern „alles andere als respektvoll“ gegenüber jenen Ukrainern, die in Kiew bei der „Verteidigung der Grundpfeiler der Demokratie“ gestorben seien.

„Eindämmungsstrategie“ gegen Putin

In der Tat beleuchtet der Film des Journalisten und Dokumentarfilmers Paul Moreira den Ukraine-Konflikt recht einseitig: nämlich als geopolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland. Auf der Website von Moreiras Produktionsfirma Premières Lignes heißt es in der Vorstellung des Films:

„Im neuen Kalten Krieg zwischen Russland und den USA ist die Ukraine eine entscheidende Schachfigur in einer Strategie der Eindämmung Putins“.

 

Beim ausstrahlenden Sender Canal+ ist zu lesen, Rechtsextremisten, „unter der Hand unterstützt von Washington“, hätten die ukrainische Revolution „gekidnappt“. Benoît Vitkine von Le Monde kritisiert, Moreira präsentiere eine „verzerrte Sicht“ des Ukraine-Konflikts. Rechtsextreme Gruppen, die bei den letzten Wahlen „lächerliche“ Ergebnisse erzielt hätten, stelle er als „Macher der Revolution“ und einflussreiche politische Kräfte dar. Die russische Aggression gegen die Ukraine werde praktisch völlig ausgeblendet. Einzig die Passage über das weiterhin nicht aufgeklärte, geschweige denn juristisch aufgearbeitete Massaker im Odessaer Gewerkschaftshaus habe ihre Berechtigung.

 

Les masques de la revolution

Dokumentarfilm „Masken der Revolution“
(Quelle: Canal+)

Insgesamt dürfte die Darstellung des Konflikts im Film ganz im Sinne des Kreml sein, der immer darauf bedacht ist, das Ganze ausschließlich als geostrategischen Konflikt aussehen zu lassen. Was die Mehrheit der Ukrainer will, dass viele das korrupte Janukowytsch-Regime schlicht satt hatten, scheint für Moreira – wie für Putin – eine unbedeutende Nebensache zu sein.

US-Botschafter kritisiert Kiews Medienpolitik

Kritik an Kiews Medienpolitik: US-Botschafter Geoffrey R. Pyatt

Kritik an Kiews Medienpolitik: US-Botschafter Geoffrey R. Pyatt
(Quelle: flickr.com / U.S. Embassy Kiev)

Dass die Kreml-Medien die Intervention der ukrainischen Botschaft dankbar aufgriffen, muss wohl nicht weiter ausgeführt werden. Erst am Wochenende hatte der US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey R. Pyatt, die ukrainische Regierung für ihre Informationspolitik kritisiert (Korrespondent.net). Nach dem Sturz von Präsident Janukowytsch entstand in Kiew ein neues „Ministerium für Informationspolitik“. Die von Kritikern in Anlehnung an Orwells „1984“ spöttisch als „Wahrheitsministerium“ bezeichnete Behörde sollte den Kampf mit der russischen Desinformationspolitik aufnehmen.

Pyatt hält dieses Ansinnen für einen „großen Fehler“. Man gewinne den Informationskrieg nicht, indem man eine Troll-Fabrik nach russischem Vorbild schaffe. Dass die Ukraine all ihre Energie damit vergeudet, allen russischen Lügen etwas entgegensetzen zu wollen, sei genau Putins Ziel. Die einzige Waffe, die die Ukraine wirklich im von Russland aufgezwungenen „hybriden Krieg“ habe, sei ihre erfolgreiche Entwicklung. „Priorität Nr. 1“ für 2016 sei dabei der Kampf gegen die Korruption im Land.

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