"Killer Nr. 1" - in Russland läuft eine Schmähkampagne gegen Obama

„Killer Nr. 1“ – in Russland läuft eine Schmähkampagne gegen Obama

In Russland läuft derzeit eine „finanziell gut ausgestattete“ Kampagne gegen US-Präsident Obama, die vor dem Hintergrund der üblichen antiamerikanischen Stimmung im Land „neue Maßstäbe setzt“, wie die US-Zeitung Christian Science Monitor meint. Obama wird dabei als „Killer Nr. 1“ diffamiert. In der Nacht auf den 27. Januar etwa wurde diese Botschaft per Laser auf die Fassade der US-Botschaft in Moskau projiziert.

Am darauffolgenden Tag hängten Aktivisten der nationalistischen Gruppe Glavplakat ein Poster im Stil des bekannten Plakats von Shepard Fairey, auf dem jedoch das Wort „Killer“ das Wort „Hope“ ersetzt, an einem Gebäude gegenüber der Botschaft auf. Am 5. Februar dann wurde an Moskauer Hauswände ein Video projiziert, in dem Obama mit Teufelshörnern erscheint und nacheinander verschiedene Länder (in Form ihrer Flaggen) verspeist. Parallel dazu werden die Opferzahlen der Konflikte angezeigt und summiert. Auf insgesamt 560.000 Tote in Irak, Afghanistan, Syrien, Ukraine und Libyen, für die sie den US-Präsidenten verantwortlich machen, kommen die Urheber der Aktion. Am Ende erscheint der Satz „Obama Welcome to The Hague Tribunal 2016“.

Am 11. Februar dann tauchte ein Video auf, in dem (angebliche) Studierende verschiedener russischer Hochschulen fordern, Obama solle in Den Haag der Prozess gemacht werden. Ein Dekan der Moskauer Finanzuniversität, die in dem Video auftaucht, erklärte später, man habe Nachforschungen angestellt, da solche ohne Genehmigung durchgeführte Aktionen nicht zulässig seien. Die angeblichen Universitätsstudenten, die in dem Video zu sehen sind, habe man jedoch nicht ausfindig machen können. Diese Personen seien nicht an der Finanzuniversität eingeschrieben.

Zuletzt sorgte ein Plakat für Aufsehen, das in einem offiziellen Reklameschaukasten an einer Moskauer Bushaltestelle auftauchte. Es zeigt einen rauchenden Obama mit dem Text: „Rauchen tötet mehr Menschen als Obama, obwohl er sehr viele Menschen tötet. Rauchen Sie nicht, seien Sie nicht wie Obama“. Wie NEWSru.com berichtet, ließ die Moskauer Stadtverwaltung das Plakat inzwischen entfernen und erklärte, der Schaukasten sei von Unbekannten aufgebrochen worden, um es aufzuhängen.

Wer der Urheber der Kampagne ist und ob der Kreml auf irgendeine Weise dahintersteckt, ist nicht bekannt. Klar ist, dass sie mindestens geduldet wird. Dass kremlkritischen Initiativen gleichermaßen freie Hand gelassen würde, damit sie ihre Botschaften verbreiten können, ist schlicht unvorstellbar. Dem Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow fiel dazu ein Witz aus alten Zeiten ein:

Natürlich haben wir Meinungsfreiheit in der Sowjetunion! Ich kann auf den Roten Platz gehen und schimpfen so viel ich will auf den US-Präsidenten!

Teils rassistische Aktionen gegen Obama gibt es aber nicht erst in den vergangenen Monaten. 2014, im Jahr der Krim-Annexion, projizierten Unbekannte, wie im Januar 2016 mit einem grünen Laser, einen stilisierten Obama auf die Fassade der US-Botschaft, der mit Partyhütchen auf dem Kopf eine Banane verspeist.

Dasselbe rassistische Motiv – Obama mit Banane – hing im gleichen Jahr monatelang in Plakatschaukästen der Stadt Lyswa im Ural. Der Text dazu: „Banan-Obama, verschluck dich nicht!“. Die Banane trug dabei die Aufschrift „Ukraine“.

Plakat in Lyswa, 2014:

Plakat in Lyswa, 2014: „Banan-Obama“ schickt sich an die Ukraine zu verspeisen. Der Urheber rät: „Verschluck dich nicht!“
(Quelle: Muhomol)

Derlei Aktionen spiegeln in der Tat die Stimmung in der russischen Bevölkerung wider. Einer Umfrage zufolge betrachten 37% der Russen Obama als „Hauptfeind“ ihrer „Kultur und Werte“. Sahen 2009 noch 21% den US-Präsidenten positiv, waren es 2014 nur noch 2% und 67% empfinden die Beziehungen ihres Landes zu den USA als noch schlechter als zu Zeiten George W. Bushs. Eine allgemeine Abneigung gegenüber Amerika hat sich zu Hass auf Obama gesteigert, der bisweilen rassistisch gefärbt ist. Neben der insgesamt angespannten Stimmung zwischen Moskau und Washington nennt der Autor des Christian Science Monitor die herablassende Bemerkung des US-Präsidenten über die „Regionalmacht Russland“, an die in russischen Medien gern und oft erinnert wird, als einen Grund.

Plakat an einer Moskauer Bushaltestelle: "Rauchen tötet mehr Menschen als Obama, obwohl er sehr viele Menschen tötet. Rauchen Sie nicht, seien Sie nicht wie Obama!"

Plakat in Moskau, 2016: „Rauchen tötet mehr Menschen als Obama, obwohl er sehr viele Menschen tötet. Rauchen Sie nicht, seien Sie nicht wie Obama!“
(Quelle: Dmitri Gudkow)

Dass es Argumente gibt, die US-Außenpolitik als mörderisch zu brandmarken, ist klar. Wenn solche Kritik jedoch von russischen Nationalisten kommt, die ihren Präsidenten gerade für die „Heimholung“ der Krim und den Einsatz in Syrien bejubeln, dann ist das schlicht skurril. Egal wie man den Regimewechsel in der Ukraine und seine Hintergründe bewertet: Der Sturz der Regierung rechtfertigt nicht die Unterstützung der ostukrainischen Separatisten durch Russland und schon gar nicht Abspaltung und Annexion von Teilen des Nachbarlandes mit militärischer Gewalt. Obama für die mehr als 6.800 Toten in der Ukraine verantwortlich zu machen, ist nichts weiter als absurd. Die Hauptverantwortlichen für diesen Krieg sitzen nun einmal in Moskau. Und dass die russische Luftwaffe in Syrien wenig Rücksicht auf zivile Opfer nimmt, wurde ebenso mehrfach berichtet. Putin aber irgendwann auf der Anklagebank in Den Haag zu sehen, ist ebenso unwahrscheinlich wie die angeblich von russischen Studenten geforderte Anklage gegen Obama oder seinen Vorgänger Bush. Denn Russland ist – ebenso wie die USA – nicht Mitglied der Organisation des Internationalen Strafgerichtshofs. Die Verantwortlichen im Kreml werden wissen warum.

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