Stawropol: Atheist droht Haftstrafe für blasphemische Äußerungen

Stawropol: Atheist droht Haftstrafe für blasphemische Äußerungen

Während in der Sowjetunion KGB-Leute Mitbürgern, die sich zu ihrem Glauben bekannten, das Leben schwer machten, scheint die Lage im von denselben KGB-Leuten regierten Russland genau umgekehrt: Heute steht die Staatsmacht immer öfter an der Seite orthodoxer Hardliner, wenn es darum geht, gegen Kirchenkritiker vorzugehen – so wie derzeit im südrussischen Stawropol.

Dort hat der Blogger Wiktor Krasnow nach einer hitzigen Gruppendiskussion im sozialen Netzwerk vk.com ein Verfahren nach § 148 des russischen Strafgesetzbuchs („Kränkung der Gefühle Gläubiger“) am Hals. Zwei Mitdiskutanten hatten den Mann angezeigt, nachdem dieser im Oktober 2014 geschrieben hatte:

Gott gibt es nicht (…) Wenn ich sage, dass die Sammlung jüdischer Märchen mit Namen ‚Bibel‘ absoluter Schwachsinn ist, dann ist das so!) Zumindest für mich !))) (…) Vergiss nicht zu beten, damit dir dein Göttlein Kraft gibt gegen so einen widerlichen Heiden!)))

Schutzengel Stawropol

„Schutzengel“ am Leninplatz in Stawropol
(Quelle: Wikimedia Commons / Dudergofer)

Krasnow drohen für diese Sprüche nach § 148, der nach dem spektakulären Pussy Riot-Fall eingeführt wurde, nun bis zu einem Jahr Haft. In einem Interview mit der in Russland gesperrten Seite Grani.ru berichtete er zudem, er sei aufgefordert worden, im örtlichen Amt für Extremismusbekämpfung eine DNA- und eine Stimmprobe abzugeben. Er und seine Mutter seien anonym per Telefon bedroht worden und auf der Arbeitsstelle seiner Mutter seien Ermittlungsbeamte vorstellig geworden und hätten gefordert, sie zu entlassen, weil ihr Sohn ein „Extremist“ sei. Vor Einleitung des Verfahrens wurde Krasnow außerdem einen Monat lang zwangsweise einer psychiatrischen Untersuchung unterzogen.

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