Forbes: Putin-Freunde verdienen prächtig an staatlichen Aufträgen

Forbes: Putin-Freunde verdienen prächtig an staatlichen Aufträgen

Die russische Ausgabe der Wirtschaftszeitschrift Forbes veröffentlichte am 25. Februar eine Rangliste der Profiteure staatlicher Aufträge in Russland. Kritiker Präsident Putins, die ihm Günstlingswirtschaft vorwerfen, können sich bestätigt sehen: Unter den fünf Personen, die 2015 am meisten Geld durch staatliche Aufträge einstreichen konnten, sind vier aus dem Umfeld des Präsidenten.

Arkadi Rotenberg

Arkadi Rotenberg
(Quelle: www.kremlin.ru)

Auf Platz 1 liegt Arkadi Rotenberg, Putins Judo-Partner aus Sankt Petersburg, mit 555,5 Milliarden Rubeln (7 Mrd. Euro) aus dem Staatssäckel. Der 64-jährige, der mit seinem Unternehmen Stroigasmontasch bereits an der Vorbereitung der Winterolympiade in Sotschi 2014 gut verdient hatte, wurde nach der Annexion der Krim mit dem prestigeträchtigen Bau einer Brücke auf die Halbinsel beauftragt.

Gennadi Timtschenko
(Quelle: www.kremlin.ru)

Auf dem 2. Platz folgt mit 344,3 Milliarden Rubeln (ca. 4,5 Mrd. Euro) Leonid Michelson, die Ausnahme unter den fünf, die nicht zu Putins engstem Kreis gezählt wird. Für Michelsons Geschäftspartner Gennadi Timtschenko gilt das allemal, er belegt Platz 3 und gilt als langjähriger Freund des russischen Präsidenten. Staatliche Aufträge im Wert von insgesamt 161 Milliarden Euro (2 Mrd. Euro) konnte er 2015 einsacken, den Löwenanteil macht der Bau der Gaspipeline nach China aus, mit dem Timtschenkos Unternehmen Stroitransgas beauftragt wurde.

Platz 4 ist ein interessanter Fall: Es wird vermutet, dass Kirill Schamalow der Ehemann von Putins Tochter Jekaterina ist. Der 33-jährige mutmaßliche Schwiegersohn des Staatspräsidenten wurde auffällig schnell reich. 148,8 Milliarden Rubel (knapp 2 Mrd. Euro) an staatlichen Aufträgen, hier mittelbar durch das Staatsunternehmen Gasprom vergeben, entfielen auf ihn.

Mit 112,1 Milliarden Rubeln auf Platz 5 kommt Igor Rotenberg, der 42-jährige Sohn von Putin-Freund Arkadi Rotenberg. Im vergangenen Jahr geriet er im Zusammenhang mit der umstrittenen LKW-Maut in die Schlagzeilen. Sein Unternehmen zeichnet für das neue Mautsystem „Platon“ verantwortlich, das für wütende Proteste von Spediteuren sorgte.

Insgesamt 1,3 Billionen Rubel (16,5 Mrd. Euro) sollen im vergangenen Jahr in dieser Form in die Taschen der Kreml-Günstlinge geflossen sein. Fast überflüssig zu erwähnen, dass dabei viele staatlichen Aufträge ohne Ausschreibung vergeben werden. Zwar existieren diesbezüglich strenge Vorschriften, jedoch findet sich immer wieder ein Grund, Aufträge ohne Ausschreibung oder nicht an den Bewerber mit dem besten Angebot zu vergeben – auf Kosten der Staatskasse versteht sich. So konnte Arkadi Rotenberg Bauprojekte zur Olympiade in Sotschi abgreifen, obwohl es günstigere Bewerber gab. Zum Bau der Brücke über die Straße von Kertsch (auf die Krim) merken Kritiker an, Rotenbergs Unternehmen habe keinerlei Erfahrung mit Projekten dieser Art. Kremlkritiker und Antikorruptionsaktivist Alexei Nawalny fasst die Vergabepraxis so zusammen:

All diese Leute sind nicht etwa hervorragende Geschäftsleute. Sie verfügen nicht über unser Geld, weil sie irgendetwas erfunden, etwas erreicht hätten, nicht weil sie gut und schlau wären. Sie stehen einfach am Futtertrog, weil der Präsident unseres Landes sie dorthin gestellt hat.

Flattr this!