Phantomschmerzen: Russland verbietet "antisowjetisches" Brettspiel aus Polen

Phantomschmerzen: Russland verbietet „antisowjetisches“ Brettspiel aus Polen

Das Brettspiel „Warteschlange“ ist in russischen Geschäften nicht mehr erhältlich. Das teilte das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN), das der Rechteinhaber Spiels ist, auf seiner Facebook-Seite mit. Das Geschichtsspiel, polnisch „Kolejka“, thematisiert die realsozialistische Mangelwirtschaft im krisengeschüttelten Polen der 1980er Jahre.

Spiel Warteschlange Kolejka

In Russland nicht mehr erhältlich: polnisches Brettspiel „Warteschlange“ („Kolejka“)
(Quelle: Wikimedia Commons / Marta Malesińska)

Der polnische Spieleverlag Trefl hatte „Warteschlange“ unter dem russischen Namen „Otschered“ im November vergangenen Jahres auf den russischen Markt gebracht. Im Februar 2016 dann warnte der russische Vertriebspartner die Firma Trefl, das Spiel werde im Lande als „antirussisch“ aufgenommen. Entsprechende Beschwerden sollen bei der berüchtigten Aufsichtsbehörde für Verbraucherschutz „Rospotrebnadsor“ eingegangen sein, teilte das IPN mit.

Man sei von der Behörde aufgefordert worden, „den historischen Hintergrund des Spiels zu ändern oder es aus dem Verkauf zu nehmen“, verbunden mit der Drohung, man werde andernfalls sämtliche von Trefl hergestellte oder vertriebene Produkte auf dem russischen Markt verbieten. Da eine Änderung des Spiels für das IPN nicht in Frage kommt, ist es in Russland nun nicht mehr zu haben.

Laut Rospotrebnadsor hatten sich russische Bürger über die kritische Darstellung des kommunistischen Systems beschwert sowie über die Erwähnung der Tatsache, dass die Sowjetunion den Polen dieses aufgezwungen hat.

Die Anleitung zu dem Brettspiel enthält eine Einführung in die Geschichte Polens von der Unabhängigkeit 1918 „nach 123 Jahren Unterdrückung“ über den Zweiten Weltkrieg, zu dessen Beginn Polen „zunächst vom Deutschen Reich und am 17. September auch von Sowjetrussland“ überfallen“ wurde, die „rücksichtslose Einführung der kommunistischen Diktatur nach sowjetischem Vorbild“ bis hin zum „Sieg“ über die kommunistische Partei.

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