Waffenexporte: Rechnet sich Russlands Syrieneinsatz doch?

Waffenexporte: Rechnet sich Russlands Syrieneinsatz doch?

Im Zusammenhang mit der russischen Militärintervention in Syrien wurde in den vergangenen Monaten häufig darüber geschrieben, welch horrende Belastungen der Einsatz für den russischen Staatshaushalt mit sich bringe. Auch für den abrupten Abzug eines Großteils der in Syrien eingesetzten Truppen wurde dieses Argument zur Erklärung herangezogen. Am Ende könnte sich der Einsatz für Russland aber nicht nur politisch sondern auch materiell gelohnt haben.

Die russische Zeitung Kommersant berichtete jetzt über ein deutlich gestiegenes Interesse an russischen Rüstungsgütern auf dem internationalen Markt. Syrien sei praktisch ein halbes Jahr lang „Testgelände“ für russische Waffen gewesen. Neben altbewährtem Material wurden dabei auch Neuentwicklungen eingesetzt: Bomber, Jagdflugzeuge, Flugabwehrraketensysteme, Hubschrauber, Panzer und Transportpanzer, Bomben und Marschflugkörper, die von Schiffen im Mittel- und im Kaspischen Meer aus abgefeuert wurden. Interessiert an den nunmehr im Kampf bewährten Waffen sind Länder wie Algerien, Indonesien, Vietnam, Pakistan, Irak, Iran und Saudi-Arabien.

Su-34 (als Exportversion Su-32) in Latakia, Syrien<br/>(Quelle: Mil.ru)

Su-34 (als Exportversion Su-32) in Latakia, Syrien
(Quelle: Mil.ru)

Ein Informant, der laut Kommersant im Bereich der „militärisch-technischen Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten“ tätig ist, sagte der Zeitung, man habe in Syrien „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“. Einerseits wurden die Fähigkeiten des Geräts im Kampfeinsatz demonstriert, was die Aufmerksamkeit potenzieller Auftraggeber geweckt hat. Andererseits wurden Gerät und Personal im Kampfeinsatz erprobt.

Vor allem die russischen Flugzeuge stoßen seither auf wachsendes Interesse. Algerien bestellte im vergangenen Dezember zwölf Bomber des Typs Su-32. Die langjährigen, schleppend verlaufenden Verhandlungen haben erst durch den Syrieneinsatz die nötige Dynamik erhalten, die schließlich zum Abschluss geführt hat. Das nordafrikanische Land will außerdem noch mindestens 9 Jagdflugzeuge Su-35S und 40 Kampfhubschrauber Mi-28NE kaufen und interessiert sich außerdem für das Transportflugzeug Il-76MD-90A. Am Jäger Su-35 bekundeten auch Indonesien, Vietnam und Pakistan ihr Interesse.

Als ganz praktisches Beispiel dafür, wie Kunden durch den Syrieneinsatz von der Qualität russischer Rüstungsgüter überzeugt werden, wird in dem Artikel ein Video genannt, das zeigt, wie ein russischer T-90-Panzer den Beschuss durch eine amerikanische TOW-Panzerabwehrlenkwaffe ohne größere Beschädigungen übersteht:

Die geschätzten Kosten der Syrienintervention sollen bei 33 Milliarden Rubel (430 Mio. Euro) liegen. Hinzu kommen noch etwa 10 Mrd. Rubel (130 Mio. Euro) für das Auffüllen der Arsenale und die Instandsetzung des eingesetzten Materials. Der „Marketingeffekt“ des Einsatzes könnte diese Ausgaben jedoch um ein Vielfaches aufwiegen – selbst wenn der Umsatz am Ende nur einen Bruchteil der prognostizierten Summe ausmachen sollte. Erwartet werden Vertragsabschlüsse im Wert von 420 bis 490 Milliarden Rubel (5,5-6,4 Mrd. Euro).

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