Kreml setzt bei der hybriden Kriegsführung auf Kriminelle

Kreml setzt bei der hybriden Kriegsführung auf Kriminelle

Der britische Politikwissenschaftler Mark Galeotti weist in einem Beitrag für Foreign Policy auf den zunehmenden Einsatz krimineller Strukturen durch russische Geheimdienste hin. Bekanntlich wird Russland immer wieder verdächtigt, Hackerangriffe einzusetzen, um das Erreichen seiner außenpolitischen Ziele voranzutreiben. Laut Galeotti rekrutieren russische Behörden teilweise kriminelle Hacker, indem sie sie mit der Androhung von Strafverfahren zur Zusammenarbeit zwingen.

Politikwissenschaftler Mark Galeotti

Politikwissenschaftler Mark Galeotti
(Quelle: Wikimedia Commons / Mark Galeotti)

Aber auch offline soll Russland vermehrt auf die Unterwelt setzen: Bereits bei der Annexion der Krim und im Krieg in der Ostukraine hat der Kreml demnach mit lokalen kriminellen Banden zusammengearbeitet, die z. B. als „freiwillige Selbstverteidigungskräfte“ in Erscheinung getreten sind und die Abspaltung der Regionen von der Ukraine vorangetrieben haben. Kürzlich wurde berichtet, dass ein Auftragskiller Jagd auf einen ukrainischen Bataillonsführer im Krieg gegen die prorussischen Separatisten sowie dessen Frau gemacht hatte.

Teilweise, so Galeotti, sei den Kriminellen gar nicht bewusst, dass sie für den russischen Geheimdienst arbeiten. Stattdessen gingen sie davon aus, es mit ihren Kollegen aus der russischen Unterwelt zu tun zu haben. Ethnische Russen oder Angehörige anderer Völker des postsowjetischen Raums würden auch zur Zusammenarbeit gezwungen, indem ihre Geschäftsinteressen in Russland als Druckmittel verwendet werden.

Direkte Verbindungen zu russischen Geheimdiensten sind in der Regel schwer nachzuweisen. Häufig aber ist eindeutig, wem eine bestimmte Straftat nützt. Nach Überzeugung des türkischen Geheimdienstes sind russische Kriminelle z. B. für den Mord an Anhängern tschetschenischer Rebellen in Istanbul verantwortlich. Die tschechischen Behörden berichteten kürzlich über Verbindungen russischer Geheimdienste zu zweifelhaften Firmen, die in Korruption und Geldwäsche verstrickt sind. In Finnland verdächtigt der Verfassungsschutz russische Kriminelle, Immobilien in der Nähe militärischer Objekte zu kaufen, um diese zu beobachten oder gar zu attackieren.

Dass Moskau Verbindungen zu Kriminellen abstreitet, ist klar. Nach offizieller Lesart handeln diese Personen nicht im Auftrag des Kreml, sondern folgen schlicht ihrer „patriotischen Gesinnung“. So formulierte es kürzlich Präsident Putin, als er danach gefragt wurde, ob sein Land für die Hackerangriffe auf die Demokraten im US-Wahlkampf verantwortlich ist.

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