TV-Korrespondenten berichten dem Kreml aus den Regionen

TV-Korrespondenten berichten dem Kreml aus den Regionen

Dass der Kreml die von ihm kontrollierten Fernsehkanäle nutzt, um Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen, ist seit langem bekannt. Wie der unabhängige Fernsehsender Doschd jetzt berichtet, gibt es jedoch auch einen Informationsfluss in entgegengesetzter Richtung. Demnach sind die Regionalkorrespondenten von Perwy kanal (dt. „Erster Kanal“) verpflichtet, jede Woche einen Bericht zu verfassen. In diesem werden drei bis fünf Themen aufgelistet, die in der Bevölkerung der jeweiligen Berichtsregion am meisten diskutiert werden.

TV-Journalistin von Perwy kanal bei der Arbeit

TV-Journalistin von Perwy kanal bei der Arbeit
(Quelle: Wikimedia Commons / Ivanaivanova)

Dieses „Rating der Bevölkerungsthemen“ (russ. „рейтинг народных тем“) wird in der Senderzentrale bei Korrespondentenchef Timur Twaltwadse gesammelt und dann in den Kreml geschickt. Mitarbeitern wurde dazu einmal gesagt, die Berichte kämen „bei Wjatscheslaw Wolodin auf den Tisch“. Wolodin war bis Oktober vergangenen Jahres erster stellvertretender Vorsitzender der Präsidialverwaltung und in dieser Funktion für die Innenpolitik zuständig.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Perwy kanal, der nicht genannt werden möchte, sagte gegenüber Doschd:

Ich denke, das ist fast eine der wichtigsten Aufgaben des Korrespondentennetzes. All das wird zusammengestellt und gesammelt beim Chef des Korrespondentennetzes, damit sie dort im Kreml die Lage in den Regionen kennen. Das nehmen sie sehr ernst. Wir sind ihre Augen: durch uns sollen sie sehen, was die Leute wirklich denken – nicht, was wir in unseren Berichten zeigen, sondern in Wirklichkeit.

Anders als bei den Berichten, die die Korrespondenten für die Fernsehzuschauer erstellen, gibt es bei den Berichten für den Kreml also keine Zensur:

Wenn alle in der Stadt sagen „Putin ist ein Idiot“, dann schreibst du das so auf.

sagte dazu ein Mitarbeiter des Senders dazu. Aus dem Umfeld Wjatscheslaw Wolodins wurde der Bericht des Senders Doschd dementiert. Perwy kanal nahm trotz Anfrage bisher keine Stellung.

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