Bloomberg Businessweek enthüllt Zusammenarbeit des IT-Unternehmens Kaspersky mit dem FSB

Bloomberg Businessweek enthüllt Zusammenarbeit des IT-Unternehmens Kaspersky mit dem FSB

Der russische Anbieter von IT-Sicherheitslösungen Kaspersky Lab gerät angesichts des neu entbrannten Konflikts zwischen Russland und dem Westen in schweres Fahrwasser. Die mutmaßlich vom Kreml gesteuerten Aktivitäten russischer Hacker bringen auch das IT-Unternehmen, das sich rühmt, weltweit 400 Millionen User mit seinen Produkten zu versorgen, ins Zwielicht. Die Zeitschrift Bloomberg Businessweek berichtet nun unter Berufung auf geleakte E-Mails über Kasperskys Zusammenarbeit mit russischen Behörden.

Kaspersky-Logo

Quelle: Wikimedia Commons / Michael Movchin

Antivirenprogramme wie die von Kaspersky haben praktisch Zugriff auf alle Dateien eines Computers und stehen in regelmäßigem Kontakt zu den Servern ihrer Hersteller, etwa um Updates herunterzuladen. Eine äußerst sensible Konstellation, bei der das Schurkenimage, das sich Russland unter seinem Präsidenten Wladimir Putin in den vergangenen Jahren mit zielstrebiger Sorgfalt zugelegt hat, ganz automatisch auch das Vertrauen in Kaspersky beschädigt. Könnte es etwa sein, dass das Unternehmen russische Behörden an seinem Zugriff auf die Rechner seiner Kunden teilhaben lässt – sei es um Informationen zu gewinnen oder um bei Bedarf Systeme lahmzulegen? Vor allem US-Behörden äußern diese Sorge.

Aber allein schon, dass über diese Frage diskutiert wird, ist für ein Sicherheitsunternehmen, das 2016 über 50% seines Umsatzes in den USA oder Westeuropa gemacht hat, eigentlich ein Desaster. Kein Wunder, dass sich Unternehmenschef Jewgeni Kasperski beeilt, die Verdächtigungen schroff zurückzuweisen. So bezeichnet er diese als „nicht belegte Verschwörungstheorien“ und „kompletten Bullshit“. Und Kasperskys PR-Abteilung pflegt sorgsam das Bild eines vom Kreml unabhängigen Unternehmens. Der Artikel der Bloomberg Businessweek ist jedoch geeignet dieses massiv zu erschüttern.

Unternehmensgründer Jewgeni Kasperski

Unternehmensgründer Jewgeni Kasperski
(Quelle: flickr.com / Kaspersky Lab)

Die US-Zeitschrift gelangte an E-Mails, die eine enge Zusammenarbeit des IT-Dienstleisters mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB offenbaren. So entwickelt Kaspersky Sicherheitstechnologie im Auftrag des FSB, mit der etwa Urheber von Attacken lokalisiert werden können, und schickt sogar IT-Experten mit zu vom FSB oder der Polizei durchgeführten Hausdurchsuchungen. Die Mitarbeiter werden in den geleakten Mails zur Verschwiegenheit über diese Zusammenarbeit ermahnt. Für die Verbindungen zu den Geheimdiensten ist bei Kaspersky laut Bloomberg der Leiter der Rechtsabteilung zuständig, Igor Tschekunow – ein ehemaliger Milizionär und KGB-Mitarbeiter.

Auch seinem Chef Jewgeni Kasperski werden enge Verbindungen zu russischen Geheimdienststrukturen nachgesagt. Sein 1987 abgeschlossenes Mathematik- und Informatikstudium absolvierte er an einer Hochschule des KGB.

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