Pressebericht über FSB-Foltergefängnis bei Moskau

Pressebericht über FSB-Foltergefängnis bei Moskau

Auf der Seite der russischen Online-Zeitschrift Republic erschien am Montagmorgen ein Artikel über ein „Geheimgefängnis des FSB“ bei Moskau. Die Untersuchung des Journalisten Ilja Roschdestwenski geht aus von den Aussagen der kirgisischen Brüder Abror und Akram Asimow, die der Organisation des Terroranschlags auf die Sankt Petersburger Metro im April dieses Jahres verdächtigt werden. Diese behaupten, sie seien bereits vor dem offiziellen Datum der Festnahme gefangen genommen und in einem Gefängnis bei Moskau gefoltert worden.

Roschdestwenski verglich die Aussagen der Brüder mit denen anderer Angeklagter, die ein Verfahren beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angestrengt hatten. Dabei handelt es sich um Islam Chamschujew und Mansur Edilbijew, die für einen Anschlagsversuch auf den russischen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan im Juni 2011 verurteilt wurden, sowie Jussup Temerchanow, der einen russischen Armeeoberst ermordet haben soll.

Alle fünf berichteten, sie seien vor dem offiziellen Festnahmetermin gefangen gehalten und gefoltert worden. Auch stimmten die Beschreibungen der Räumlichkeiten, der Foltermethoden und –werkzeuge überein.

Abror Asimow, der offiziellen Angaben zufolge am 17. April 2017 gefasst wurde, behauptet, er sei bereits am 4. April gefangen genommen worden. Man habe ihn durchsucht und mit einem schwarzen Sack über den Kopf in einen Keller verfrachtet, wo er dann zwei Wochen lang gefoltert worden sei, um ein Geständnis zu erzwingen.

Sein Bruder Akram Asimow wurde am 15. April von Angehörigen lokaler Sicherheitsorgane in einem kirgisischen Krankenhaus gefangen genommen, was Familienangehörige bestätigen (RFE/RL). Der russische Inlandsgeheimdienst FSB dagegen behauptet, Akram sei am 19. April bei Moskau festgenommen worden. Der 29-jährige Familienvater sagt, er sei in den fehlenden vier Tagen dazwischen in einem „Geheimgefängnis“ gefoltert worden.

Alle fünf mutmaßlichen Folteropfer berichten von einem Elektrogenerator, dessen Kontakte an Finger, Zehen, Ohrläppchen und Geschlechtsorganen angelegt werden. Mansur Edilbijew sagt, man habe ihm eine mit Gas gefüllte Tüte über den Kopf gezogen. Abror Asimow zufolge kam bei ihm auch das sogenannte Waterboarding zur Anwendung: Arme und Beine werden fixiert. Durch das Gießen von Wasser auf ein durchnässtes Tuch, das auf Nase und Mund des Opfers liegt, werden Erstickungsängste erzeugt.

Nach der Folter wurden die Verdächtigen in einen Duschraum gebracht und man gab ihnen Kleidung. Danach wurden sie dann – so ihre Aussagen – zur Inszenierung ihrer Verhaftung gebracht. Abror Asimow etwa wurde offiziell an einer Eisenbahnstrecke bei Odinzowo vor den Toren Moskaus festgenommen. Der FSB veröffentlichte Bilder dieser Verhaftung.

Abror Asimow sagt, er sei danach gezwungen worden, seine Fingerabdrücke auf einer Makarow-Pistole zu hinterlassen, die man ihm zusteckte. Als er dann dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde, habe dort bereits ein ausgedrucktes Vernehmungsprotokoll vorgelegen.

Zwei Mitarbeiter russischer Sicherheitsorgane bestätigten die Existenz des beschriebenen Geheimgefängnisses. Einer sagte, dieses würde ausschließlich von FSB-Mitarbeitern genutzt. Die dort Eingekerkerten sollen größtenteils aus Zentralasien stammen.

Für Autor Ilja Roschdestwenski brachte sein brisanter Bericht auch eine berufliche Veränderung mit sich. Die Nachrichtenagentur RBK, bei der er angestellt war, verweigerte eine vollständige Veröffentlichung seiner Rechercheergebnisse. Kollegen hielten ihm vor damit Terrorverdächtige reinwaschen zu wollen. Am Tag des Erscheinens bei Republic erklärte der Journalist seine Kündigung bei RBK.

Die Anwälte der Asimow-Brüder forderten die russische Generalstaatsanwaltschaft auf, das FSB-Geheimgefängnis zu finden und zu schließen. Vater Achral Asimow verlangt eine Bestrafung der Folterknechte seiner Söhne. (NEWSru.com)

Interesse an einer Aufklärung der Vorwürfe ist jedoch nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Anwalt Dmitri Dinse teilte am Mittwoch über Facebook mit, FSB-Mitarbeiter seien zu seinem Mandanten Abror Asimow gekommen und hätten ihm und seiner Familie Gewalt angedroht, um ihn zu zwingen, seine Aussagen über das Foltergefängnis zurückzuziehen (Radio Swoboda).

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